In dieser Rubrik stellen wir Ihnen in unregelmässiger Reihenfolge, aber kontinuierlich, die kleineren und grösseren tektonischen Bewegungen und seismischen Erschütterungen in der deutschsprachigen Lyrik vor. 


Andreas Thalmayr ‹LYRIK NERVT!›
Ein Erste-Hilfe-Buch für alle, die meinen, dass sie nichts mit Gedichten anfangen können

Endlich ein Buch das lustvoll und witzig in die doch eher trockene Materie der Gedichtbaupläne einführt. Wer Gedichte schreibt die sich reimen, andere auch, kommt an diesem Lehrmittel nicht vorbei. Gerne verweise ich auf einschlägige Rezensionen von kompetenter Seite, siehe unten.  ZOE

Perlentaucher 
bücher.de



Was tun für das Gedicht?
An einem internationalen Lyrik-Colloquium, das jüngst in Beneditkbeuren stattfand, diskutierten fast 40 Lyrikerinnen und Lyriker über die Zukunft des Gedichts. Dabei wurden verschiedene Positionen deutlich, vom Wunsch nach einer (auch politisch-gesellschaftlich) engagierteren Lyrik bis hin zu heutzutage notwendigen Online-Selbst-Vermarktungsstrategien.  OF


Das prekäre Künstlerleben
Wie prekär es sich als Journalist oder Schriftsteller lebt, glauben die meisten Leser zu wissen. In einem lesenswerten Artikel der NZZ untersucht die Journalistin Sieglinde Geisel die verschiedenen Möglichkeiten und Initiativen für ein angenehmes, finanziell gesichertes Leben als freischaffender Künstler oder Autorin. Dabei wirft sie ein Schlaglicht auch auf die neuen Publikationsformen und die Arbeitsweisen (Überlebensweisen) der im Selbstverlag schreibenden Autorinnen und Autoren.  OF


Das Los der kleinen Verlage
Wie arg Verlage zu kämpfen haben im aktuellen Marktumfeld, ist spätestens seit einiger Zeit bekannt, als sogar Diogenes auf die Teilnahme an einer der grossen Büchermessen Deutschlands verzichtete. Dass auch Kleinverlage in diesem Umfeld überleben, ist immer wieder ein kleines Wunder. In einem lesenswerten Interview in der Süddeutschen Zeitung gibt der Herausgeber der Zeitschrift ‹Das Gedicht›, Anton G. Leitner, Auskunft darüber.  OF


Die Lyrik – ein Hor(s)t der Missverständnisse?
Der junge Lyriker und Essayist Timo Brandt publiziert regelmässig einen Blogeintrag unter dem Titel Poesie. Meditationen. In seinem jüngsten Eintrag (Über das Mögliche, den Geschmack, den Horizont und das Versagen der Worte) macht er sich nun Gedanken darüber, was mit schwierigen, will heissen: unverständlichen Gedichten anzufangen sei / ist. Das haben die meisten unter den Lesern und manche Lyrikerin schon erlebt, dass sie ein Gedicht lieber erst morgen lesen möchten, weil es so unverständlich oder anders gesagt: unzugänglich ist (oder scheint). Ein spannender Beitrag zum Thema moderne Lyrik lesen - nur wie?!


Ein Zuviel an Büchern mit einem grossen Ja, aber
Es gibt diese wundervolle Geschichte aus Cortazars Geschichten von den Cronopien und Famen, in der die Welt buchstäblich von den zu vielen Büchern vernichtet wird. Denn in dieser Zukunft liest niemand mehr, aber alle schreiben. Diese Zukunftsvision aus den frühen 60-er Jahren erscheint heute fast gespenstisch real.


Geschichte des Sonnets
Ein spannender Vortrag der amerikanischen Dichterin Lind Gregerson über die Entstehung und Bedeutung der berühmten Gedichtform des Sonnets: History of the Sonnet 


Moderne Poetik(en)
Das im letzten Jahr erschienene Buch ‹Risiko und Idiotie der Dichterin Monika Rinck ist eine spannende, allen lyrikaffinen Lesern und natürlich vor allem den Dichterinnen und Dichtern ans Herz (bzw. an die Feder) zu legen... Unser Lektor Oliver Füglister hat das Buch gelesen und eine imatitiv-ironische Antwort-Rezension geschrieben...
Sie finden die Rezension unter dem Titel Poetik der Idiotie in der neuen Rezensions-Unterabteilung ‹Andere›


Instant-Lyrik von jungen Dichtern!
Superstars auf Instagram... Das Ausgeh-Magazin des Gratisblättchens 20minuten präsentiert drei Instagram-Poetinnen, die ihre Gedichte auf Foto-Basis veröffentlichen. Dabei handelt es sich um Kurzpoesie, die viele Leser findet. Meist emotional und heftig, kontrovers und amüsant.  OF


Diese alte Geiss! Robert Walser übersetzt Verlaine...
Ein sehr lesenswerter Artikel in der Paris Book Review über Robert Walsers scherzhaft-ernste Übersetzung eines Verlaine-Gedichts. Was für ein Können! Voller Ironie und, wie immer bei Walser, gleichzeitig ungeheuer ernst.  OF


Radiosendung ‹Schnabelweid› widmet sich dem Mundart-Rap
Wurde aber auch mal Zeit: die Rapper rappen rundherum Dialekt und reimen, versieren in der Heimatsprache. Das geht von Müslüm, der eine Art arabologisches Berndeutsch sprechsingt, bis zu 361 Grad, einer St. Galler Rapcombo, oder dem Churer Rapper Ali. Dabei geht die Dialektsendung auch neuen, genre-typischen Schweizerdeutschen Slang-Ausdrücken wie ‹Lauch› nach...  OF

Zum Nachhören hier klicken.


Thomas Kunst: ‹Kunst› – Neuerscheinung
Einer der grössten deutschsprachigen Lyriker, der ergreifende, originelle, raffinierte, direkte und vor allem sprachlich hochstehende Gedichte schreibt, publiziert jetzt einen Rückblick auf 20 Jahre Schaffen: Thomas Kunst. Lesen Sie hier eine erste Rezension; bald folgt eine Pro Lyrica-eigene Rezension von unserem Lektoren Oliver Füglister. Das Buch ist u.a. auch bereits auf Books.ch erhältlich.  OF


... ins Zentrum
Nachdem Jan Wagner mit seinen ‹Regentonnenvariationen› den Leipziger Buchpreis gewonnen hatte, ging ein Raunen durch die Feuilletons deutscher Sprache. War die Lyrik wieder erweckt worden? War sie gar nie gestorben? Weshalb hatte man sie gar nicht wahr genommen? Jan Wagner selbst sah sich nur als Spitze des Eisbergs›, als einer unter vielen, die einen Aufschwung im lyrischen Tun vorantrieben und begeistert daran mitwirkten. Die Schriftstellerin Nora Bossong erwidert auf dieses Geunke und Gemunkel in der Zeit mit einem vehementen Artikel, der Lyrikerinnen und Lyriker auffordert, endlich ans Tageslicht zu kriechen, vom Turm herunterzukraxeln und nicht länger Rapunzel zu spielen. Sehr lesenswert.  OF

Dichter, traut euch ins Zentrum!
Dürfen Gedichte populär sein? Der Erfolg von Jan Wagners ‹Regentonnenvariationen› regt viele Lyriker auf. Doch Randständigkeit ist kein Lebensprinzip der Poesie, findet Nora Bossong in DIE ZEIT Nr. 22/2015, 11. Juni 2015