PRO LYRICA FORUM OFK, Treffen in Biel/Bienne
Wir trafen uns am frühen Nachmittag des 25. März 2017, zu Gast bei Susanna Gneist und im Keller-Theater ‹Carré noir›, mitten in der Bieler Altstadt. 

Zwei Fragen standen im Mittelpunkt: 
• Muss Lyrik die modern sein will, auf das lyrische Ich verzichten und was heisst das überhaupt ?
• Wie wirkt ein langes, resp. ein kurzes Gedicht?  Verliert ein langes Gedicht an Prägnanz und Tiefe? Wenn ja, mit welcher Begründung?  

Susanna Gneist, eine Verfechterin des kurzen Gedichts, welche unseren Lyrikkalender regelmässig mit aussagestarken Gedichten bereichert, vermittelte uns im ersten Teil des Nachmittags einen eindrücklichen Einblick in ihr Schaffen als Lyrikerin, Musikerin/Flötistin und Lehrerin an der Steinerschule. Im Zentrum stand dabei das Entstehen und Werden eines Gedichts, von den ersten zwei Wörtern bis zum Endergebnis. Als Autorin hat sie drei bebilderte Lyrikbände zusammen mit einem Maler herausgegeben, und als Lehrerin verfasst sie alljährlich charakterisierende Gedichte in einer eher klassischen, romantisierenden Tradition an ihre Schüler (an der Steinerschule eine übliche Praxis).      

Im eigentlichen Hauptteil des Nachmittags stand dann schliesslich die Vorbereitung einer Gruppenlesung, in deren Rahmen jede und jeder drei seiner Gedichte lesen würde. Die kleine, intime Bühne des Kellertheaters ‹Carré noir› war wie geschaffen für die Intimität der Gedichte. 

Es war ein inspirierender Nachmittag und Abend, der uns einander über das gewohnte themenbezogene Austauschen hinaus in der Erarbeitung eines gemeinsamen Auftritts näher brachte, wie auch jeden Einzelnen für das Gefühl der Selbstdarstellung auf der Bühne sensibilisierte und ihn dabei auch bestärkte. 

Für unser leibliches Wohl hatten wir wie gewohnt überaus reichlich selbst gesorgt und konnten uns so in den Pausen jeweils kräftigen: Am Nachmittag noch draussen an der Sonne, beim Brunnen auf dem  Platz vor dem ‹Carré noir› unter dem ausladenden Kastanienbaum; zur Schlussrunde, am vorgerückten Abend dann im gemütlichen Kellergewölbe des théâtre de poche, im Kreis um die zusammengerückten Bistro-Tischchen. Das war sehr gemütlich, waren wir doch alle stolz und erleichtert über unseren geglückten Auftritt, den wir uns so  vielfältig und abwechslungsreich ineinander verflochten, dabei so nahtlos perfekt durchgeführt, ohne kaum merkbar einem Fehler, vordem nicht hätten vorstellen können.

Marianne Mathys

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