Offener Kreis am 04.11.2017 in Luzern im LEO 15
Lachen, Spass und wiederholtes Vorlesen bleiben Erinnerungen an dieser Zusammenkunft. Wir: Sieben TeilnehmerInnen und Rolf Zöllig als Fotograf bildeten unter der Leitung von Oliver Füglister eine eher kleine Austauschgruppe. Der Gewinn jedoch waren Nähe und unterstützende, offene Auseinandersetzungen.

‹Sensation› lautete das gesetzte erste Thema. Der Begriff hat eine inflative Bedeutungserweiterung durchgemacht. Zu Sensation gehört Perzeption. Perzeption meint Sinneswahrnehmung auf den einzelnen Sinneskanälen (Sehen, Hören usw.). Diese Infos werden über mehrere Stufen vom Gehirn zu Empfindungen (Sensationen) verarbeitet, mit Emotionen verbunden. Die Sensation als aussergewöhnliche Erscheinung ist ein populärer Begriff, nach aussen gerichtet. Von der Wahrnehmungs-Psychologie her sind Sensationen auch innerlich erlebte Empfindungen.

Ohne die Namen der Autorinnen und Autoren preiszugeben, hier eine (private) Zusammenstellung der Themen der Texte: erste Schritte nach der Genesung – neue Dynamik; sich zurecht finden zwischen dem banalen Alltag und Erwartungen; Naturbeschreibung von lautlosen Blitzen bis zum Weltensturm – Natur und persönliches Erleben, Krieg und Unwetter erzeugen die gleichen Phänomene; Diskussionen über die verwendeten Schreibstile und die gültige Beschreibung von psychologischen Prozessen; zuerst harmlose Verse (an Busch erinnernd) verwandeln sich in gewagte Sozialkritik; ein Text fühlt sich in den treuen Begleiter, den Hund, ein und gibt ihm ein Recht auf selbstbestimmtes Leben auf einem erträumten Hundestern; hermeneutische Texte, an Paul Celan erinnernd, dehnen die Zeit und verändern die Naturgesetze, schön und einfach gekonnt.

Bleibt noch der Nachsatz zum wiederholten Lesen. Bei manchen Texten ist das schlicht nötig und bringt einen klaren Mehrwert (Lyrik kommt von Lyra = Leier).

Zwei weitere Gründe sind die etwas ‹hohl klingende› Akustik des Raumes und für mich meine leichte Schwerhörigkeit. Das heisst nichts gegen den Raum und das Haus … die sind bezaubernd. Ich mache den Vorschlag, dass es zum Standard werden könnte, wenn jede/r seinen zu bearbeitenden Text in Kopien mitbringt. Fünf hätten in unserer Gruppe gereicht, wenn zwei die Köpfe über das gleiche Exemplar stecken.  Justin Koller