Pantum

Reich umrankt und feucht verdampft stellt sich uns das Pantun oder Pantum in den Weg. Es stammt, wie alle Fülle und Phantasie, aus dem umfabelten Süden, aus Malaysia. Im Norden, im Westen, wurde es zu einer Kunstform, obwohl es im Ursprungsland sehr wohl ein ganz gewöhnliches Lied sein kann. Es besteht im Wesentlichen aus mindestens vier Vierzeilern, die im Kreuzreim ineinander verwoben sind. Das zur Kunstform verführende an diesem Gedicht ist das Wandern der Verse (s. Auch das Wandern der Daktylen in der Sapphischen Ode): der zweite und vierte Vers der vorhergehenden Strophe wird zum ersten und zweiten Vers der nächsten Strophe, womit auch das Reimpaar einwandert. Am Beispiel eines Trennungsgedichts aus eigener Feder soll das verdeutlicht werden. (Ein Pantum kann seine Strohpenliane jedoch durchaus länger und fast ins Unendliche spannen, anders als unser mager-effizientes, schweizerisches Pantum. Ob in der letzten Strophe die ersten und dritten Verse der ersten Strophe wieder aufzunehmen sind, ist der poetischen Lizenz anheim gestellt.) Als Exemplar eines englisch sprachigen Pantums möchten wir hier auf ein Werk des amerikanischen Lyrikers Mark Ford, ‹After Africa, Surbiton›.  OF

 

Bitte geh jetzt weg!  Vers 1, Reim a
Hältst du das denn aus?  Vers 2, Reim b
Blütenfall auf Steg:  Vers 3, Reim a
Teich ist voller Blaus …  Vers 4, Reim b

Hältst du das denn aus?  Vers 2, Reim b
Niemand sieht hier klar  Vers 5, Reim c
Teich ist voller Blaus  Vers 4, Reim b  
Weisst du um Gefahr?  Vers 6, Reim c

Niemand sieht hier klar!  Vers 5, Reim c
Winsel nur du Hund  Vers 7, Reim d
Weisst du um Gefahr  Vers 6, Reim c
Dunkelt letzte Stund?  Vers 8, Reim d

Winsel nur du Hund!  Vers 7, Reim d
Blütenfall auf Steg  Vers 3, Reim a
Dunkelt letzte Stund?  Vers 8, Reim d
Bitte geh jetzt weg!  Vers 1, Reim a

Zurück zur Glossarübersicht