PRO LYRICA VOR ORT
Autorenlesung in Hätzingen

Die zweite Vorstandsitzung 2018 von PRO LYRICA mit nachfolgender Lesung fand am Samstag, 9. Juni in Hätzingen im Kanton Glarus statt. Dank dem organisatorischen Geschick von Niklaus Zemp durfte PRO LYRICA im charmanten Restaurant ‹Central› zu Gast sein, das unter der Leitung von Andrea Brüngger, eigens für diesen Samstag öffnete.

Die Lesung war auf den späten Nachmittag angesetzt. Knapp zwanzig PRO LYRICA Mitglieder und Lyrikinteressierte fanden den Weg nach Hätzingen, am Fusse des steil emporragenden Glärnisch Massivs. Acht Lesende hatten sich angemeldet. Richard Knecht, ein weit herum bekannter Lyriker und selber wohnhaft im nahen Luchsingen, musste leider krankheitshalber absagen. An dieser Stelle wünschen wir ihm gute Besserung.

Zum Auftakt der Lesung beeindruckte die Violinistin Christine Zemp mit alten Volksliedern. Klänge, die an Weite und Offenheit denken liessen, untermalten auch zwischendurch auf wunderbare Weise die vorgetragenen Gedichte der Autorinnen und Autoren.

Unter anderem handelten die Gedichte vom Verhältnis Mensch und Natur, von träumenden Häusern, die Berichterstatter sein könnten sowie von einem Wissen, das mit Verstehen nur wenig zu tun hat. Auch Aktuelles kam zur Sprache: Begriffe wie Bitcoins, dubiose Transaktionen und Graffitis an felsigen Steilwänden, wurden in gereimter oder ungereimter Form zum Besten gegeben. Immer wieder blitzten experimentelle Gedanken- und Wortspiele, Sprachbilder und feinsinnige Anspielungen auf. Und selbstverständlich durften auch Witz und Ironie nicht fehlen, wenn vom bösen Wolf und versicherten Schafen oder von Wäldern ohne Bäume die Rede war.

Beim anschliessenden Apéro und einem vorzüglichen Nachtessen auf der lauschigen Gartenterrasse, liessen die Lesenden und Interessierten den Tag bei regem Austausch ausklingen. Ein Glücksfall, nicht nur was den Ort betrifft, auch die aufmerksame und freundliche Bedienung des Central-Teams trug zum Wohlbefinden bei.

Einmal mehr ein gelungener Anlass von PRO LYRICA, der zeigte, dass Lyrik im kleinen Rahmen auch ausserhalb städtischer Ballungszentren literarisches Potential freisetzt, indem sie ein differenziertes und offenes Weltbild vermittelt.  Cornel Köppel