PRO LYRICA FORUM, Offener Kreis am 20. Januar 2018 in Basel

Ein weiteres Mal zu Besuch bei der Allgemeinen Lesegesellschaft Basel: anderthalb handvoll Lyrikerinnen und Lyriker; ein Fotograf, der gleichzeitig Schiedsrichter und – als Nichtspieler – auch ‹Advocatus Diaboli› spielt, wenn er wiederholt sinngemäss moniert ‹gereimt ist passé, das tut heute weh›; und der wahre Spielleiter Oliver Füglister. Einleitend wieder von jedem und jeder ein Buch, eine aktuelle Lektüre vorgestellt. Dabei das wunderbare Erleben, dass einem ein bekanntes Buch unter neuen Blickwinkeln, mit Neuem präsentiert wird.

Zwei Intermezzi spielten mit. Das eine Intermezzo war ein internes: Die Gesellschaft PRO LYRICA mit ihren Terminen des Offenen Kreises, der Vorstandssitzungen mit anschliessendem Angebot an die DichterInnen zu lesen und mit der Ausschreibung des Jahreskalenders 2019 sowie der Buchreihe 2018, Lyrische Grundversorgung. Da füllten sich die Terminkalender. Das andere Intermezzo war eine externes: Auf dem Rhein draussen vor den Fenstern schwamm ein Floss vorbei, beladen mit einer Kanone, die ganz viele Böllerschüsse abgab, und das am Rauch zu erahnen war, bevor es schon in Sicht war, und dessen lange Echos am Geschossdonner zu hören und am leisen Fensterklirren auch noch zu spüren waren, nachdem der ‹Wilde Maa›, unterwegs nach Kleinbasel, schon längst vorbeigetanzt war.

Im Mittelpunkt des Tages standen die Präsentationen der neu entstandenen Gedichte. Ihre Themen: Bit Coin, Geburten, Adoption, Loslassen, ein Kaktus. Die Texte wurden unter inhaltlichen, formellen und dramaturgischen Gesichtspunkten diskutiert. Dieses erste Treffen im neuen Jahr machte erneut bewusst, wie viel Arbeit in jedem vorgetragenen Text steckt. Durch die Offenheit im Dichterkreis erschienen nun zu jedem Text neue Aspekte, an die der Autor oder die Autorin vielleicht noch nicht gedacht hatte. Als Zuhörer wird man auf neue Themen aufmerksam und wird, bestenfalls, gleich zu einem neuen Gedicht angeregt. Zu guter Letzt kam diesmal auch das ‹delectare›, das Erfreuen der Hörerschaft, zum Zug durch den Bezug eines Gedichtinhaltes auf einen ambivalenten Politiker.

Peter Rudolf

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