PRO LYRICA FORUM, Offener Kreis 12. Mai 2018 in Olten mit ‹Der Sanften 13›

Unter der Führung von Oliver Füglister, begleitet vom Fotografen Rolf Zöllig, trafen sich 13 Lyrikerinnen und Lyriker während den 40. Solothurner Literaturtagen ganz und gar unabhängig von diesen am 12. Mai in Olten im Restaurant ‹Flügelrad› und kochten ihr eigenes Süpplein. Die Zutaten waren vielfältig. Von der Frage: ‹Wann ist ein Text für mich ein Gedicht?› mit den Antworten: ‹Wenn Herz, Gefühl und Ton irgendwie stimmen, dann interessiert mich ein Gedicht, dann bleibt es nicht beim einmaligen Lesen› (Adèle Lukàcsi); ‹wenn mich ein Gedicht packt, ist es geheimnisvoll für mich› (Christoph Kerwien) – über die allgemeine Erkenntnis, dass sie ‹mit innerer Stimme schreiben, mit äusserer Stimme lesen›, gelangten ‹Die Sanften 13› zum Lesen. Erstaunliches war entstanden mit den Reizwörtern des letzten Treffens. Die Hausaufgabe von Basel hatte gelautet: Alle Reizwörter sollen im Gedicht vorkommen. Jeder Teilnehmer des letzten ‹Offenen Kreises› hatte sein Reizwort auf die Zettel der anderen notiert. So kam bei jedem und bei jeder eine Handvoll spezifischer Wörter zusammen, mit und zu denen in Olten ganz spezielle und gelungene Gedichte, ja Geschichten, vorgetragen wurden. Folgendes hatte Nora Dubach mitgebracht, die ihr vorgegebenen Reizwörter sind kursiv gesetzt:

 

Oueen of Punk

Der richtige Zeitpunkt
ist gerade jetzt in der
Sonnenstube
entspannt im Morgenrock
ein Glas Merlot auf der
Terrasse zu geniessen
ein jäher Schmerz
ein Aufschrei
bremst diese Harmonie
Was soll das! Merda bricht
es aus mir heraus
ein Reissnagel steckt
in meinem Fuss
mein hitziges Wesen explodiert
dieser Nagel reisst
alte Wunden auf
noch sind sie nicht verheilt
Gedanken schiessen hoch
an die Musik
die Band
den Erfolg
ich stand im Rampenlicht
als Queen of Punk
dann folgte das Aus
Drogen Alkohohl
durch die Medien
in Ungnade gefallen
mein Absturz
wurde ausgeweidet
bis auf die Knochen
Ich bekam kein Bein
mehr auf den Boden

Heute ist der
richtige Zeitpunkt
im Morgenrock
mit einem Glas Wein
in der Hand
sich zu erinnern
um zu vergessen

Leonore Dubach

Bei Martina Caluori sah das etwas kürzer so aus:

Kaum dabei
saisonmüde
quasi
ausgeweidet
während
des traumas
war es
niemals
sternklar

Martina Caluori


Nach einem kleinen Mittagessen gingen ‹Die 13 Sanften› auf Textsuche und präsentierten anschliessend ihr Gefundenes, Geschriebenes. Davon stehen hier zwei Proben zum Kosten:

Äusseres innert sich
Teile der Welt heimaten
Teile der Heimat welten
Teile ganzen:
ganz äusseres Heim

Thomas Haker

Taktbrecher

Wenn’s rattert, wenn’s rüttelt, wenn’s reitet,
wenn’s knattert, erklingt und es läutet.
Dann peitscht mich der Rhythmus weit weg,
fern von den Orten der Worte
ins meditative Nirwana des Takts.
Dagegen ein Gift:
Die Destruktion vom Metronom.
Will stolpernd und fallend
hängenbleiben
an ungeradeteteten Takten.
Verstörter Ruhepol,
arrhythmisch unbewegt.

Christoph Kerwien

Einen Abschluss bildete das Vereinsthema der ‹Anthologie›, die im Frühjahr 2019 erscheinen soll. Wer abends noch Zeit und Musse hatte, feierte das 12. Forum – ‹das Dutzend wurde voll› –, mit einem währschaften Abendessen im ‹Flügelrad› bei einem anregenden Austausch.

Peter Rudolf

Zurück zum PRO LYRICA FORUM