Carte Blanche 2013/11 von Edith Saner-Furrer, Birmenstorf
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Grenzen

Etwas zutun, das niemand tut
Wagen zu jauchzen, wenn alles ruht.

Etwas erleben, das niemand erlebt
Wagen zu gehen, wenn alles steht.

Etwas erkennen, das niemand erkennt
Wagen zu schweigen, auch wenn es schon brennt.

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Kopfstand

Höhen als Tiefen erleben
auf Erden im Himmel zu schweben

Berge versetzen zu lassen
den Hochzeitstag mal zu verpassen

Zum Frühstück eine Pizza essen
die Tageszeitung zu vergessen

Die Nacht bei Tageslicht erleben
am Tag in Dunkelheit entschweben.

Sich auf eigenen Händen tragen
Träume in die Nacht vertagen.

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Wendepunkt

Im Rauschen des Baches
gingen
meine Träume
bachab.

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Vorbei ist Vorbei

Sie meinte, gar nichts mehr zu müssen,
spürte den warmen Sand unter den Füssen,
schaute endlos auf das Meer hinaus,
suchte sich im eigenen Haus.

Sie meinte, gar nichts mehr zu müssen,
sehnte sich nach warmen Küssen,
schaute endlos in das weite Blau,
suchte sich im eigenen Bau.

Und meinte, gar nichts mehr zu müssen,
wurde selbst zum Sand an ihren Füssen,
weggespült von kleinen Wellen,
zu unbekannten Lebensschwellen.

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Sekunden

Auch wenn es nur eine Minute ist
der Zauber sich an Sekunden misst,
schau einfach hin, sei still, horch hin,
hörst du den Frost vorüberziehn?

Spürst du das kühle Winterlicht
die nebeldurchflutete, feuchte Sicht?

Siehst du die Tannen, in Kälte erstarrt
seit Wochen in den Winter vernarrt?

Auch wenn es nur eine Minute ist
du deinen Alltag ganz kurz vergisst
Nimm dir die Zeit
der Zauber ist – schon Vergangenheit.

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Vertraut

Wieder zwitschern die Vögel am Morgen
verdrängen kurz die nächtlichen Sorgen.

Wieder liegt Blütenstaub in der Luft
die Wiese nährt sich vom mistenden Duft.

Wieder rauscht lautstark der Bergbach im Tal
die Bäume sind noch blätterkahl.

Wieder lockt die Frühlingswärme
ins Freie lachende Menschenschwärme.

Und wieder gackert vom Hof her das Huhn
hat auf Ostern hin viel zutun.

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Nasswandern

Tropfen, klopfen
nieseln, rieseln
fliessen, giessen

Jeder Schritt
ein Spritz im Tritt

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