Marco Berg

CARTE BLANCHE MARCO BERG |

Carte Blanche 2021/05 von Marco Berg, Zürich |
Gedichte aus dem Manuskript Garstufen› 2021 |
© 2021 by Marco Berg |

‹Carte Blanche› ist ein Angebot von PRO LYRICA. Hier stellen sich Lyrik-Autorinnen und Lyrik-Autoren für die Dauer einiger Monate mit Arbeiten vor. Sie möchten hier publizieren? Senden Sie eine Anfrage an: carteblanche@prolyrica.ch |

Feuerstelle

Dein Räucherhaar schwelt
Fett tropft es zischt Mücken
Schwirren von einigen klebt
Blut an unseren Beinen fremdes

Womöglich sonst wirkt der Wald
Leblos als steckten die Vogelrufe
Aus dem löchrigen Blätterdach
Auf halbem Weg fest bestimmt

Sitzen die Tiere zitternd im
Dämmer und nur die Ameisen
Verlaufen sich weiter du fängst
Feuer und ich halte das Schweigen

 

well done

Komm leck mich
Leck mich doch mit deinen Zungen
Wasch meinen Pelz mach mich nass

Seif mich ein wring mich aus
Verachte mich mit deinen Zellen
Koste deine Macht zünd mich an

Entfache mich mit deinem Spiritus
Lass mich lodern zaudere nicht
Aus meiner Asche back einen Kuchen

Den musst du versuchen lach nicht
Ich schmecke wie verrottetes Süßholz
Das dir noch aufstößt wenn dich die

Würmer lange schon zerfressen haben

 

Siesta

Garnisonen von Hortensien
Bewachten die mürben Falten
Am Stuhl sägten Zwerge
Kläffer paarten sich weiter

Weg wie Steine am Wegrand
Platz schaffen für die Lücken
Zwischen den Zähnen ja
Aber wegsperren lassen wie

Der Kranich Frösche fressen
Für seine Reise lieber fiebern
Den hängenden Gärten
Entgegen der schwindenden

Sonne erfrischt erhob sich
Der Körper ein Fladen
Mit Fadenwurmfüllung
Strich über das bauschige Blau

 

Kreuzfahrt

Von kühleren Winden an Strände
Getrieben von der Sucht nach Distanz

Und dem Sehnen das den befällt der
Auf sich pfeift vorm Spiegel angesichts

Des hinter dem Ich Liegenden wo kaum
Angekommen Regen fällt das bare

Haupt nässt klamm wird der Körper
Und die Ahnung wächst nüchtern

Werde die Zukunft sein wie ein harter
Stummel ohne Feuer weit und breit

Lachst du in dich hinein

 

Schanduhr

In dir rieselt die
Schanduhr Korn für
Korn zwängt sich

Die Scham durch
Das Bedauern wandelt
Sich zur Reue die

Bildet am Boden
Ein Häufchen bis
Du unanständig

Zerknirscht bist
Dann stellst du dich
Auf den Kopf


Stillen

Sitzen einfach nur sitzen
Denken an nichts denken

Dem Denken beim Jagen
Zusehen beim Erlegen beim

Ausweiden staunen über
Die Instinkte sich nicht

Trauen sich die Beute
Einzuverleiben die wärmt

Aber nicht nährt

 

Am See 2010

Das Himmelsblau ist da
Wo es immer ist die Sonne
Scheint auch nachts stets
Durchkämmt uns ihr Wind

Ich taubes Gestein spüre
Davon nichts um nicht zu
Sterben singe ich ein Lied
Ohne Strophen ohne

Melodie aus Tönen wie
Tropfen aus Blei lalle ein
Wenig aus Angst meine
Kinder könnten einstimmen

Im Sonnenschein stehe ich
Mit Fischgeruch an den Händen
Das gehört sich so für einen
Der sich an der Angel hat

 

Auf dem See 2017

Diesseitig auf der Arche dümpeln wir
Die Stimmen der Paare ankern im Jetzt
Behandeln Stoneskonzerte Managerlöhne
Veloabstellplätze Seeretterbesäufnisse

Einige wagen sich ins Wasser die Kinder
Leuchten quadratisch orange fußwarm die
Planken unter dem Sonnensegel flirrend das
Licht und die Gedanken was wäre würdest

Du dich öffnen das Verkorkste freilassen
In die Sanftmut der Versammelten ob ein
Einträchtiges Nicken ob des Durcheinanders
In uns dir hülfe aber sie ziehen vorüber

Wie die Taube die vom Frieden den wir
Mit ihr verbinden nichts weiß

 

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