Erhabene

Erhabene, das

Das Schöne ist bekömmlich wie ein Luxemburgerli von Sprüngli. Das Erhabene ist erschreckend und erfreulich wie eine von Obamas Drohnen. Das Schöne ist sinnlich und in der Welt, das Erhabene eher nicht. 

In unserer modernen Welt voller ‹Shock & Awe› erscheint das Schöne als konsumierbares Endprodukt: mit Silikon abgefüllte Brüste, abgerundete Fahrzeuge, abstrakte und sinnlich-volle Statuen, ansprechend geformte Mineralwasser-Flaschen, Fledermaus-Markensonnenbrillen, und liegt nicht die eigentliche Magie der Schokoladetafeln in ihrer Rechtwinkligkeit?

Das Erhabene, wie es noch Kant oder Schiller begriffen, ist heute nicht verdaulich noch erschütternd oder gar rührend. Die Natur, wie sie noch Kant oder Schiller ergriffen hat, ist dem Erhabenen, dem über den Menschen Hinausweisenden, längst entzogen. Das Erhabene in der Moderne ist das Menschen-Gemachte, die menschverformte Welt: Veränderung und Zerstörung der Natur und Umwelt, des Menschen und des Tiers, scheint allein noch die Kraft des wirklich Erschütternden zu haben. 

Wir Dichter aber – verstecken das Erhabene im Schweigen zwischen den Zeilen. Wer es dort zu finden weiss, sei glücklich – und schweige.  OF

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