Haiku

Kaukasier können keine Haikus kreieren, würden Japaner sagen. Dem ist entgegenzuhalten, dass sich im Westen seit Jahrzehnten eine eigene Haikukultur entwickelt hat, die ihre eigenen Voraussetzungen und Regeln geschaffen hat. An dieser Stelle soll jedoch nochmals ganz explizit der pure Haiku vorgestellt werden, – insoweit ein Kaukasier diesen überhaupt verstehen kann, liebe Japaner.

Grundsätzlich lässt sich sagen: Ein Haiku besteht aus drei Zeilen, dabei werden Silben gezählt (Sie erkennen Haiku-Poeten daran, dass ihre Finger ständig unbewusst oder bewusst am Abzählen sind): die erste Zeile hat fünf, die zweite sieben und die dritte wiederum fünf Silben zu enthalten. Ein japanischer Lehrer hat einmal gesagt, nachdem ein Jungspund es gewagt hatte, in der mittleren Zeile acht Silben zu setzen, nur Meister dürften sich das erlauben, und selbst dann müsse dies aussergewöhnlich gut begründet sein (durch ein besonderes Ereignis oder durch eine absolut umwerfende Verknüpfung dreier Ereignisse). Im Westen gehen die Engländer und Amerikaner sehr frei mit diesen Vorgaben um (meist handelt es sich einfach um 3 mehr oder weniger lange Zeilen), die Franzosen neigen zur Prosaform (in Form von Distichen). Die Grundbedingung des Jahreszeitbezugs (kigo genannt), bei den Japanern aus ihrer speziellen Beziehung zur Natur hervorgegangen, bleibt, will man von einem Haiku reden dürfen, zwingend. Wir im Westen sind uns allerdings gewohnt, mit Lyrik und Poesie vor allem Inneres, Gefühle und innere Zustände zu verbalisieren – vielen westlichen Haikus mangelt deshalb der Jahreszeitbezug. Näheres erfahren Sie auch auf der website von Oliver Füglister.

Es seien hier noch zwei moderne Haikumeister genannt, die Lehren hinterlassen bzw. prägend gewirkt haben:

Takahama Kyoshi, der einem traditionellen Haikuverständnis anhing  während sein Freund Masoaka Shiki eine Modernisierung und Öffnung der Haikukultur anstrebte. OF

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