Lyrik hassen?

EINE POETOLOGISCHE STELLUNGNAHME ZU EINEM ESSAY VON BEN LERNER |

OFUEGLISTER |

In einem Essay namens ‹Warum hassen wir die Lyrik?› versucht der amerikanische Literaturwissenschaftler und Autor / Lyriker Ben Lerner Antworten darauf zu finden, warum Lyrik bei ‹Otto Normalbürger› und sogar bei ‹Literaturliebhaber*innen› einen schlechten Stellenwert hat. Dabei stösst er auf die Abneigung, den Hass gegen Lyrik. Den ganzen Artikel lesen.

1 response to "Lyrik hassen?"

  1. Von: Thomas Haker Erstellt am: 06/10/2021

    Danke für den anregenden Kommentar. Ich finde die Abrechnung mit der deutschsprachigen Lyrik allerdings nicht sonderlich geglückt. Nicht nur weil ihr eine unterfütterte Frische fehlt (Sprachonanie – ja ja), sondern vor allem die Schärfe, wenn der Autor sich am Ende seiner Abrechnung dann, alles vorherige relativierend, auf die Position zurückzieht, die soeben derart geschmähte Lyrik hätte gewiss ihre Berechtigung, nur er liebe eben mehr die prosaische Lyrik des angelsächsischen Raums.

    Was ich ebenfalls kaum verstehen kann, ist, wie man als jemand der ein demokratisches Plädoyer für Lyrik hält, der eben noch die Abgehobenheit deutschsprachiger Lyrik kritisiert, ein Wort wie Otto-Normalverbraucher*in verwendet. Abgesehen von seiner Abgegriffenheit, die dem Wort mit seiner nun auch noch um „*in“ erweiterten Sperrigkeit einen ordentlich spießigen Beiklang mitgibt, transportiert es für mich die größtmögliche Distanzierung zu Menschen, die sich halt mit anderen Dingen beschäftigen als man selbst. Schon allein die Beschränkung eines Menschen aufs Verbrauchen ist scheußlich und im Zusammenhang mit Lyrik komplett absurd.

    Richtig toll und gelungen find ich den Aufruf zu mehr Selbstbewusstsein, zu Selbstinzenierung, Leidenschaft. Hier spricht aus dem Geschrieben selbst Leidenschaft, das tut gut!

    In fünf Punkten stellt der Autor den seiner Meinung nach universellen Prozess zur Entstehung eines Gedichts dar. Natürlich versucht man festzuhalten, wie ein Gedicht nun eigentlich entstanden ist. Aber ich glaube wir kommen nur voran, wenn wir im Wissen um die Möglichkeiten der Kunst genau gegen diese scheinbar„universellen“ Punkte arbeiten. Ich glaub, es könnte Freude machen, diese fünf Punkte in ihr Gegenteil zu verkehren und dann als Anleitung zu nehmen um ein schönes Gedicht zu schreiben.

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