Poeta doctus

Poeta doctus oder Der Dichter beim Doktor

Geht ein Poet zum Docteur in die Sprachstunde: 

‹Herr Doktor, ich glaub, ich hab bei meinen blanken Fersmassen einen Versensporn bekommen.
Ach, ich müsste mal wieder die Tropen sehen oder wenigstens in Rom-an-kommen.
Manchmal sehe ich auch schon im Geiste bei der Poesie das P-rosa leuchten.
Und aus Vers-ehen verpasste ich im Beton-ungs-Stau den Jam-Bus.

 Seien sie doch sonett und auftaktvoll und (e)chauffieren sich und mich auf die PS-Alm ins Pegasos-Gestüt (als Reklame-trik).

Allerdings ist meine Dichtung beim Autor-en-nen in Kolon-ne zu locker geworden und schon etwas abgenutzt. Die Di-Ode leuchtet auch nicht mehr, ist vergil-bt, so dass ich dagegen mit dem Stock kloppe damit Gott lieb wieder zu mir ist.

Oben hab ich auch eine schöne Waise gehört und gesehen und ihre An-Redeteile leider zerbrochen.

Schließlich bekomme ich immer einen Poe-tick (selten Roman-tick) und rufe dreimal nevermore, nevermore, nevermore – man nennt mich schon einen Rabenvater. 

Darum liege ich immer im Kettenreim beim Stropheur, um zäh Suren zu deklamieren.

Ach, Herr Doktor helfen Sie mir meine E-pos-ition wieder zu finden, damit die alte Leier nicht wieder von vorn losgeht…› –

‹Sie leiden, mein lieber Undichter, an Sprach- und Wort-Inkontinenz, diesem Sturm und Drang geben Sie zu sehr nach – dichten Sie ab werden Sie einsilbig und der Rest ist Schweigen…›

– – –

Hinweis: wer alle lyrischen Phänomene dieses Arztbesuches ‹rezeptiert›, wird von Pro Lyrica zum ‹poeta doctus› gedopt, wer zusätzlich daraus sein (K)Langgedicht webt zum poeta laureatus verlorbeert.

Zu überspringende Randglosse:
Der Poeta doctus oder P. eruditus, als der gelehrte Dichter der Antike, wird und wurde durch die Zeiten als derjenige charakterisiert, der in seinen Werken das Wissen seiner und vergangener Epoche(n) hineinpipettiert(e) und diese schillernden Tröpfchen dem Leser über entsprechende Anspielungen anbietet/anbot.

Die Römer hatten ihre gebildeten Poeta mit Catull, Horaz, Lucan, Ovid, Seneca, Vergil. Aber auch von Platen, Musil, Mann, Brecht, Benn, Döblin, Broch, Jens, Rühmkorf wird zum Beispiel dieses Attribut zuerkannt.  JW

Zurück zur Glossarübersicht

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.