Edgar Hermann Hüttenbuchverse II

Hüttenbuchverse zum Zweiten

Buchbesprechung aus WORT Nr. 50, ‹Kabarettnummern der Gegenwart› von August Guido, Holstein

‹Hüttenbuchverse zum Zweiten› von Edgar Hermann, Igis
Gedichte und Kurzgeschichten, 88 Seiten, CHF 19.90, ISBN 978-3-907551-54-7
PRO LYRICA Grundversorgung, Schweizerische Lyrische Gesellschaft, Winterthur

Wieder eine interessante Arbeit, eine amüsante Arbeit – eine Rezension, keine festgesetzte Religion, ein Kommentar, nicht immerdar, in die blaue Luft gesprochen, wo es viel Platz hat. Eine Rezension nach Lexikon eine kritische Besprechung – und tönt nach Besserwisserei, und jeder legt sein eigenes Ei. Also mehr Gewicht auf das Hauptwort ‹Besprechung›, demnach Rezension: Für die, welche das Buch noch nicht gelesen haben, die Atmosphäre des Werks hinüberbringen, vom Buch zum möglichen Leser.

Von Edgar Hermann, erschienen im ‹blauen Himmel› des Buchdeckels, die ‹Hüttenbuchverse, zum Zweiten›. Zum Wort ‹Hütten› lässt sich einiges assoziieren. Ja, was fällt einem ein: In Afrika versteht man sicher darunter anderes als bei uns. Man wird gleich in die Berge steigen, zur nächsten Berghütte, sitzt am rohen Tisch beisammen, liest oder hört, eben vielleicht diese Hüttenbuchverse – aber doch mehr über das Unterland, steigt aber doch in die ersten ‹Schneehaufen› der ersten Gedichte. Sie wollen sowohl ‹kästnerlustig“ wie ironisch-gesellschaftskritisch sein. Beides gibt sich die Hand.

Also: ‹Die armen Vöglein frieren an die Schwänzlein, / der Mensch dank Thermo-Unterwäsche nicht. / Auf Feldern und in Wäldern herrscht der Mangel, / im Warenhaus hingegen ein Gerangel, / weil immer wieder ‹happy hour› ist.› Oder bedeutet ‹Hütte› nicht etabliert oder vielleicht ‹auf einem Ausflug›, mit dem Abstandsblick zum Gewohnten, Selbstverständlichen, das doch nicht selbstverständlich ist?

Schreiben heisst auch immer gut beobachten, meist am Rand einer Szene des Menschseins. Daher der Satz in einer der Kurzgeschichten: ‹Von hier aus liess sich’s gut beobachten.› Oder ins Wasser schauen für die Beschreibungsaufgabe: ‹Über der glatten, matt spiegelnden Fläche lag der Dunst des Wassers, der sich in das schlammige Grau des Himmels verflüchtigte …›. Dazwischen stets die Verse und Reime: ‹Quälen› und ‹erzählen› – aber bitte, das tönt völlig anders, wenn man die zwei Zeilen ausschreibt: ‹Und wenn ihn mal Probleme quälen, / behilft er sich mit Fingerzählen›, auch wenn nachher sich ‹Engel› auf ‹Bengel› reimt, und weiter für das Amüsement dann ‹PC’s› auf ‹WC’s›, denn dort steht noch kein Computer.

Die Prosa sei für einige Lokal-Berichte reserviert. Zuerst für die Wirtsstube wohl abends, dann die Zeitungsredaktion am Morgen, seriöser, mit der Beschreibung der grossen Rotationsdruckmaschine.

Und wie in der früheren Hüttenbuchverse-Fibel schon: Ein Schüleraufsatz, bei dem sich die Lesenden wegen den Fehlern und der so schönen Naivität frohstimmen können. Dieser mit dem Stichwort ‹Verkehr›, und beginnt: ‹In unserem Lexikon hat es auch viel Verkehr … Und Papa hat gesagt, man soll nur über das schreiben, was man kennt.› Dann die Verführung zur teuren Krawatte bei dem, der keine trägt. Und darauf heiratet der Herr Spar die Frau Schwein und heisst nun … Auch über das Lesen mit Eckpfeilern wie Dostojewski und Hemingway. Dann erneut Gedichte ‹Ich möchte …›, von Diogenes zu Mozart, Johann Strauss, vielleicht Picasso, zum Sich-Selber-Sein. Also in diesen Hüttenversen viele verschiedene Begegnungen, auch mit Engelswesen, die aber nicht biblisch sind. Gegen den Schluss graphische Bildgedichte sowie Gedichte als Spiel, zum Beispiel mit ‹N› oder ‹A›. Spiele weiter mit N8, also Nacht, 2gen, also Zweigen, Kla4, s8e, ver2felt, 11en tanzen. Auch über die üble Gewohnheit der englischen Überschriften.

Lustige Episoden, und so ist unsere Welt. Gedichte, wohl im ‹alten Kleid› mit Reim, aber spassig mit Gegenwart beinhaltet. Ist sie so schlimm? – Sie schenkt uns Kabarett-Nummern. ‹Gereimtes und Ungereimtes, Unausgegorenes und Vergorenes in Poesie und Prosa.›

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