Richard Knecht | MEINE HEIMAT IST DAS LEBEN

Daheim ankommen 
Vorwort zu Richard Knechts ‹Meine Heimat ist das Leben›

Wenn ein Dichter sich geborgen in der Sprache fühlt, dann hat er seine eigene Stimme gefunden. Diese eigene Stimme ist unverwechselbar wie die Heimat. Kostbar und fremd und bekannt.
Dafür musste er sich ihr aufsperren. Er musste sie zu sich hineinlassen. Dann hilft sie ihm ganz natürlich und einfach beim Sagen. Und sie sagt mit einer Klarheit, mit einer Wahrheit, was ist.
Eine solche Stimme – es gibt nur ganz wenige davon – ist die von Richard Knecht. Du vergisst sie, ist sie einmal bei dir heimisch, nicht mehr. Sie hat seit seinem ersten Buch ‹länger als Arme› weiter an Kraft und Deutlichkeit gewonnen.
Richard Knecht redet hier, wie nur er es kann. Das Bild vom Skalpell, das in wundes Gewebe schneidet, kommt mir nicht umsonst in den Sinn. Oder – wie in diesem Band – das Eintreten in ein befremdlich bekanntes Zimmer oder Haus.
Der Schnitt, das Eintreten seiner Sprache in dein Bewusstsein, in dein eigenes Empfinden, geschieht so schnell, so präzise und unerwartet, dass es manchmal erst viel später schmerzt. Dann aber bist du meist schon geheilt. Und du trägst ein leises, ein wenig verwundertes Schmunzeln mit dir nach Hause.
Die Stimme von Richard Knecht öffnet genau, ohne Umstände oder gar Sentimentalität Menschen und Räume, die du zu kennen glaubst. Sie holt Menschen und ganze Dörfer aus ihrem geschichtslosen und geschichtenlosen Auseinanderschweigen heraus und gibt sie doch nicht preis.
Was Knecht mit Einfachheit und Bündigkeit sagt, hat einen doppelten Boden. Täusche dich nicht: Er spricht nicht von denen, die sich zuhause fühlen wollen. Nicht von denen, die ein Zuhause verschliessen wollen. Er spricht von denen, die ausgeschlossen sind oder ineinander und füreinander wohnen. Durch diese Texte kannst du hindurchgehen wie ein Passant. Doch schaust du dich um in ihnen, kannst du darin sehr gut wohnen. Sie enthalten Bilder und Gedanken, Menschen und Räume, die gereift und geprüft sind.
Du merkst, hier hastet niemand. Hier trägt jemand lange an einem Text. Hier wird nicht erzwungen, nichts auf die Schnelle gemacht. In einer Zeit von Effizienzmaximierung, ewigem Wirtschaftswachstumsversprechen und Unterhaltungsgebot ist das ein Raum, den auch ich schon oft verlassen und fast vergessen habe.
Diese Heimat ist deine und meine: eine stille, konkrete und nüchtern-warme. Bekannt und fremd. Richard Knecht lädt dich ein: erschliesst dir mehr von dir als mancher andere Schreibende. Und du vergisst die Menschen und Räume, Gedanken und Bilder nicht mehr, in die dich diese ganz und gar eigene Stimme von Richard Knecht gerufen hat. Als seist du erstmals wirklich daheim angekommen.

Oliver Füglister PRO LYRICA


Pressestimme


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