Sestine

Diese Gedichtform ist eine provenzalische Blüte und geht auf den Dichter Arnaut Daniel zurück, der im 12. Jahrhundert lebte. Sie wurde von den Renaissance-Dichtern über die Barockschaumschläger bis zu den Ironikern um die Romantiker ins 19. Jahrhundert überliefert und fand in einigen normstreng-schalkhaften deutschen Lyrikern regsame und prägende Nachspürer (Borchardt, Becher, Pastior). 

Vielen Lyrikern gilt die Sestine als der Höhepunkt lyrischer Form. Die sechs Strophen und die halbe siebte (das Geleit), die sie ausmachen, verfügen über eine besondere Art von Reimlosigkeit in ihren Versen: die Versendwörter bleiben sich über alle Strophen gleich, werden aber im Laufe des Gedichts mehr oder minder systematisch und geordnet durcheinandergeschüttelt, bis sie sich in der letzten Strophe wieder in die Ausgangsreihenfolge einordnen. Eine mögliche Reihung der Versendwörter ist folgende: abcef, fabcde, efabcd, defabc, cefab, bcefa, was den Vorteil eines strohpenübergreifenden Reims mit sich bringt. Das Geleit verschachtelt sodann auf nur drei Versen noch einmal die sechs Versendwörter, allerdings kommen dabei drei davon in der Versmitte zu stehen. (In der italienischen Dichtung wird für die Verse der ‹endecasillabo›, der Elfsilber bevorzugt, der häufig mit einer Zäsur ausgestattet ist, was diese Versmitte deutlich markiert.)  OF

Einen ironischen Kommentar zur Gedichtform der Sestine hat Oskar Pastior in seiner Sestine „Fortschreitender Metabolismus in einer Sestine“ geliefert. 

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