Edgar Hermann Hüttenbuchverse III 2

Rezension ‹Hüttenbuchverse zum Dritten›

 

 


Edgar Hermann ‹Hüttenbuchverse zum Dritten›
Gedichte und Kurzgeschichten, 128 Seiten,  
2018, Karin Fischer Verlag, Aachen, CHF 19.90, ISBN 978-3-8422-4601-0

Dieser Band enthält 38 Gedichte und 24 Kurzgeschichten, die Einblick in verschiedene Aspekte zeitgenössischen Lebens und Erinnerns geben sollen. In einem engen gesellschaftlichen Kontext, der sich im Wesentlichen auf Beziehungen in Familie und Freundschaften beschränkt, werden häufig stimmungsvolle, bunte Gedichte und Texte ohne erkennbare Ordnung oder Gestaltung aneinander gereiht. Auch gesellschaftspolitische Themen kommen in diesem Buch nicht zu kurz.

In den Kurzgeschichten wird die Leserin, der Leser gut unterhalten. Es sind gut gebaute, witzige und genau beobachtete Erzählungen. Von diesen Trouvaillen möchte die Leserin gerne mehr hören, vielleicht sogar deren Fortsetzung erfahren, über die gelungenen Pointen hinaus.

Allgemein ist dieser Gedicht- und Geschichtenband ein vergnügliches Lese-Erlebnis. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass besonders in den Gedichten ein Lektorat oder eine genauere Überarbeitung der Texte wünschenswert sind. So finden sich immer wieder Anachronismen und altertümelnde Wendungen, die den Lesegenuss durchaus irritieren können, wie z.B. eine Formulierung wie ‹traute Zweisamkeit› oder ‹der holde, wonnevolle Mai›. Hier wäre eine Aktualisierung von Wortschatz und Poetik dringend nötig. Gleichzeitig würde einigen Versen auch eine Kürzung und Straffung sehr gut tun.

Für die weibliche Leserschaft stossend sind auch gewisse Aussagen des Autors, die durchaus als sexistisch eingestuft werden können. Diese Haltung wird jüngere Leserinnen mindestens irritieren. Wenn ein Mann in der Kurzgeschichte ‹Puppenspiele› seine Freundinnen deshalb ‹entsorgt›, weil sie ihm zu oft Haarfarbe und Make-up wechseln, dann ist das schlicht inakzeptabel, und zwar nicht nur in Zeiten von #metoo.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass hier ein Lyriker und Erzähler am Werk ist, der sein Handwerk versteht und unterhalten will – und dem das auch gelingt. Als Wermutstropfen darf das Manko an Aktualität, die teilweise altertümliche Sprachhaltung und gewisse sexistischen Aussagen und Untertöne nicht unerwähnt bleiben.

Anna Gasenzer/Oliver Füglister


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