Lyrisches Ich

Das Ich, das sich in Gedichten äußert, lebt im Gedicht. Wenn man das Gedicht als Platons Höhle versteht, dann ist die ‹Person›, die sich an der Höhlenwand abzeichnet, ein Schatten auf der Höhlenwand. Ob dieser Schatten in Lascaux geworfen wird oder in der sixtinischen Kappelle, ändert nichts an der Tatsache, dass dem Sehenden und Lesenden ein Umdrehen nicht möglich ist. Da das eigentliche Ich verborgen bleibt (im Rücken des Lesers), muss das uneigentliche, das lyrische Ich, vom Leser allein auf sich bezogen werden. Der Schatten wird so zu einer Vermittlungsinstanz, das Ich zu einem Bedeutungsträger. Dass die Leser häufig Schattenwurf und Schattenwerfer verwechseln, liegt auf der Hand. Man muss sich das lyrische Ich als einen glücklichen Menschen vorstellen, als ein Vielfaches seiner ‹Person›; als eine Gesellschaft.

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