Kalender 2014

AUTOR:INNEN

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2

HOFFNUNG

Blinzelnd
mit halboffenen Augen
ersehnt sie
in feuchtkalten Daunen
das vorhergesagte
Zwischenhoch

 

Edith Saner-Furrer
aus dem Lyrikkalender 2014/12

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1

SCHWELLENANGST

Dieses noch nicht
und nicht mehr

Dieses es war
und wird sein

Dieses Nichtwissen
woher und wohin

Dieses Dazwischen
vom Jenseits und Hier

 

Edith Saner-Furrer
aus dem Lyrikkalender 2014/12

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2

ES HERRSCHT STILLE

eine
stille
die
meine
ohren
verschliesst

ohne
wahrnehmung
an
mir
vorbeizieht

unbemerkt
einkehrt
fühlbar
den
raum

einnimmt

 

Caecilia Bühlmann
aus dem Lyrikkalender 2014/11

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1

DAZWISCHENTRAUM

verwischte
konturen
ohne
übergang

der
himmel
auf
die
erde
gefallen

zeitlose
fahrt
in
die
unendlichkeit
der
dämmerung

 

Caecilia Bühlmann
aus dem Lyrikkalender 2014/11

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2

BEGEGNUNG II

Was
Machst Du
In meinem
Revier
Wer
Bist Du

Machst jede
Bewegung
Nach
Fauche
Haue
Mit der

Pfote
Nach Dir
Du fauchst
Unhörbar
zurück
Haust

Ebenfalls
Nach mir
Hinter
Der Tür
Ist
Auch

Niemand
Du
Musst
Ich
Sein

 

Jochem Kessler
aus dem Lyrikkalender 2014/10

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1

BEGEGNUNG I

Warum
Verfolgst du mich
Läufst

Neben mir her
Versuchst
Mich

Zu überholen
änderst
Dauernd

Deine Gestalt
Du
Mein

Begleiter
Mein alter Ego
Mein

Schatten

 

Jochem Kessler
aus dem Lyrikkalender 2014/10

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2

DAHINTER

ich kenne nur die Sehnsucht jetzt,
nach dem, was mich erfüllt
und mir selbst entspricht.
All das, was stimmt und ist, was du misst.
Kein Wort, kein Lied kann dies festhalten,
es möchte sich entfalten. In einer Welt,
die weder Luft noch Ton für so viel
Weite birgt und somit stirbt.
Nicht bekannt und nicht erreicht
und darum leicht ist das Gefühl
des Dahinter, gibt mir Kraft, weiter nach den Sternen
zu greifen und endlos durch die Weite
zu streifen ohne zu begreifen,
was mich liebt und mir all die Worte vergibt.

 

Matthias Villiger
aus dem Lyrikkalender 2014/9

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1

FREI IM EINS

Sanft gezogen durch Tales Flanke,
ein Drachen weiss, immer dichter sich drängt
leis in Licht und Seel.
All die Weite, all die Sicht in weiche
Unwirklichkeit getaucht.
Kluften, Kanten, Stein und Schlucht
erscheinen zart in frischer, nasser Luft.
Schwebend umhüllt erkenne ich nichts,
fühle mich leicht, als gäbe es mich nicht .
Das Leuchten meiner Zwischenwelt,
stärker als Kälte und Gedanke.
Frei in jener Welt des Seins.

 

Matthias Villiger
aus dem Lyrikkalender 2014/9

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2

CHINDHEIT

Ab ere Muurgumpe
und sich i d Ärm
vu de Muet ter gheie laa.
Us em Herz es Flugzüüg mache
Vertroue ha i di Erwachsene
bevor de dünni Fade riisst.

 

Richard Knecht
aus dem Lyrikkalender 2014/8

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1

ES FÜÜR ENTFACHE

Schtell dr vor
s Läbe duuret nur ein Tag.
Es isch es zöisle mit Gedanke.
Chomm, mer zündet s Läbe a.

 

Richard Knecht
aus dem Lyrikkalender 2014/8

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2

Erzählen dir die Berge
von ihrem Los, schwer zu sein?
Du kannst sie nicht tragen
aber dein Staunen, empor
an steilen Wänden, verwandelt
den innersten Kern jenes
Jahrtausende alten Gewichts.
Ein Berg springt lachend
über deine Wimpern und
singt: Wir Steine werden leicht
in deinem Anblick und tanzen
fröhlich auf dem Seil deiner Seele.

 

Matthias Müller Kuhn
aus dem Lyrikkalender 2014/7

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1

Zu diesem Garten gelangst du nur
im Schlaf, wenn du die Wege
der Wolken gehst. Plötzlich steht
wie hingehaucht ein Baum
aus noch zarterem Grün.
Die Blätter sind in solch sanfte Seide
eingehüllt, dass du mühelos auf ihnen
die Schrift des Lichtes entzifferst.
Lächelnd ernten die Blumen
Bewunderung auf einer Wiese
wo sich nur die feinsten Gefühle
aneinanderschmiegen. Um nichts
zu zerstören, darf der Garten
nur von Engeln betreten werden.

 

Matthias Müller Kuhn
aus dem Lyrikkalender 2014/7

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2

Die zwanzig Jahre umarmen
und reinsteigen

in die Gefühle jenes Mai, jenes Juni
Herz, du hast sie entlassen

an der langen Leine
Jetzt ziehst du die Schnur wieder etwas an
und sehnst dich

 

Jacqueline Wolff
aus dem Lyrikkalender 2014/6

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1

SCORSSERY

Das grau-weisse Rechteck meines Fensters
Ist ab und zu das Meer
Möwen fliegen
Die Luft riecht nach Jod und Salz
Der Wind schreit
Und klatscht die Wellen an die Deiche
Gräser zittern in den Dünen
Hier haben meine Vorfahren gelebt
Deiche gebaut, gekämpft
mit Säbel und schwarzem Hut
Hier sind sie hinausgefahren
Auf grossen Segelschiffen
Die Menschen in den Strassen
Sind mir vertraut, die Droschkenfahrer mit schwarzer Melone
Aus der Hafenkneipe dringen Melodien
Von Jacques Brél
Man trinkt auf die Befreundeten
Seefahrer Scorssery’s und Jean-Bart

 

Jacqueline Wolff
aus dem Lyrikkalender 2014/6

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2

Oh ihr Schwalben
Tanzende Kinder
Am Lila Himmel
Wartet! lasst
Uns fliegen
Drehen wenden
Mit euch
Auf ab und segeln
Flinke kleine Köpfe
Zwitschern schwarze
Knöpfe Augen lachen
Frackschnitt Federn ihre
Flügel auf Sternen gereist

 

Katharina Widmer
aus dem Lyrikkalender 2014/5

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1

Draussen schneien
Hellrosa Kirschbaum
Blütenblätter
Auf Löwenzahn
Mit Gänseblümchen
Um die Wette derweil
Vom grauen Himmel
Alles zu erwarte ist

 

Katharina Widmer
aus dem Lyrikkalender 2014/5

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FRÜHLING

Buschwindrosenflecken im Schattenbereich
Verborgen hinterm Schilf Seerosen im Teich
Genährt vom nussbraunen alten Laub
Neuer wachtes erstarkt über Staub

Zartgrüne Schleier, das Frühlingsblätterdach
Und langsam werden die Winterschläfer wach
Die Sonne ruft zu neuem Leben
Überall spürt man: nehmen – geben

Am lichtblauen Himmel nur kleine Zirren
Frösche lauthals quaken im Weiher
Sie laden ein zur Hochzeitsfeier

Turmfalken pfeilgeschwind die Luft durchschwirren
Veilchenbündel am Waldrand blühen
Amseln um die Nester sich mühen

 

Elisabeth Mascheroni
aus dem Lyrikkalender 2014/4

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2

WANDERWETTER

Föhnwolken streichen
wie warme Wellen
über stengellosen Enzian
wandern über
versteinerte Schneckenhäuser
bringen das Gurgeln
der Quelle
zum Schweigen
winden sich
in die Höhe
um in die Tiefe zu stürzen
und
endlich befreit
sich fallen zu lassen

 

Elisabeth Mascheroni
aus dem Lyrikkalender 2014/4

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1

DU

du
bist mir weggenommen
für einen augenblick nur
bist du hineingegangen
ins bildlose
und während ich dich suche füllt sich mein herz.

 

Andreas Bruderer
aus dem Lyrikkalender 2014/3

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2

IM WINDSPIEL DER ENGEL

im windspiel der engel
den flügelschlag spüren
mit übertünchter gründlichkeit
die sehnsuchtswurzel einpflanzen
zwischen umzäunten gärten
ein stück rosland bebauen
mit glimmendem docht
im niemandsland nacht

 

Andreas Bruderer
aus dem Lyrikkalender 2014/3

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1

Am Winter neues entdecken

Das Feld ruht, stahlblau überdacht
vom Himmel, Sonn ins dunkel nun
verzog sich, Lufthauch fächelt sacht.
Die Vögel hüpfen träg, immun
nicht gegen Frost, zuweilen Schnäbel
ins Schneereich stecken. Bodennebel
konturverschleiernd grau sich breiten
zum Hang hin, offenbaren weiten.
Der Winter kehrt hervor Gesichter
noch kaum bekannt. die Flockenfracht
fällt halbtags dünn, bald wieder dichter.
Bewunderung weckt Kältepracht.

 

Reinhard Genner
aus dem Lyrikkalender 2014/2

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2

Summen, Attraktionen bieten

AGILEBOTEHER Palindrom

Bei Gant kam flinke Frau zuvor
dem Nachbarn, welcher am Versteigern
auch teilnahm. Wettstreit er verlor.
Dem Groll das Aufwalln zu verweigern
gelang ihm. Grossmut in Gefechte
von Konkurrenten Schonung brächte.
Im Bergdorf, Kanton Appenzell,
gefriert im Winter Wasser schnell.
Im Sommer machbar sind Kongresse
von Gartenfreunden aller Staaten.
Konstant bleibt, hofft man, Interesse
am Pflanzenwuchs, den Blüten, Saaten.

Rehetobel liegt ungefähr 1000 m über Meer.
I.G.A.= Abkürzung für ‹Internationale Gartenbau-Ausstellung›

Reinhard Genner
aus dem Lyrikkalender 2014/2

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2

BEEINFLUSST

Kein Drängen
und Drücken
kein Längen
und Dehnen
kein Ziehen
und Zerren
kein Bremsen
und Halten
der
Zeit
deiner
und meiner

 

Susanna Gneist
aus dem Lyrikkalender 2014/1

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1

Mich
um die
Beschaffenheit
meiner
Eingangstür
kümmern
für den Fall
ausser mir
zu sein

 

Susanna Gneist
aus dem Lyrikkalender 2014/1

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#

eingekreist

eingekreist im wortlosen
rieselt ein wenig sprachzeit
zwischen perlenden gezeiten
in meine geöffnete hand

 

Andreas Bruderer
aus dem Lyrikkalender 2014/Titelblatt

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Alle vorhergehenden Gedichte sind dem Pro Lyrica Lyrikkalender 2014 entnommen.
© 2014 by den Autoren

 

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