ut pictura poesis

Sprechen wir hier von der Schlange oder vom Apfel? Kann der Dichter denn nur in den sauren Apfel beissen und – nachahmen? Der saure Apfel, das ist das einzige Bild, das zum Gedicht uns bleibt, denn die Schlange häutet sich bereits, die Wirklichkeit heutet sich. Nichts ist eigentlich Sinnbild dessen, wofür es steht; aber alles muss Sinnbild sein können. Der Blick allein genügt nicht, das Wort nicht, der Pinsel nicht. Ja, die Rose ist eine Rose, weil sie wie eine Rose gebildet ist, und eine Rose nach dem Bild der Rose immer noch Rose heissen darf, liebe Frau Stein! Doch hat nicht Herr Locke schon gerungen mit der Schlange der zusammengesetzten Wahrnehmungen, und wahrlich ist nicht alles Gold, was glänzt!

Trösten wir uns, liebe Dichter: immerhin ist alles Wort, was über die Lippen kommt. Oder etwa nicht?  OF

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